Wirbel um Regividerm

02.11.2009 Viel Wirbel gab es in nahezu allen deutschen Medien um das Medizinprodukt REGIVIDERM, dass angeblich viele Jahre lang von dem Erfinder nicht auf den Markt gebracht werden konnte, da die Pharmaindustrie das zu verhindern wusste. Kann das so stimmen? Ist es ein Wundermittel? Viele Menschen wundern sich zu recht.

Zu beobachten war, dass Betroffene von der Ankündigung an sofort begeistert waren. Endlich, das Mittel der Wahl, wie schrecklich, dass die Industrie verhindert, dass Menschen geheilt werden können.
Der Erfinder ist an der Sache kaputt gegangen und haust nun wie Diogenes in der Tonne in einer Dachkammer eines schweizerischen Sanatoriums.

Alle Kritiker dieser verrückten Story sind natürlich von den Pharmafirmen gekauft worden. Selbsthilfeorganisationen, die sich für Ihre Klientel einsetzen wurden verteufelt. Auch gekauft?
Alle gekauft? Oder ist ein chronisch kranker Mensch nur zu unkritisch in der Hoffnung, dass es endlich DAS Mittel gegen Neudrodermitis gibt und die anderen das nur nicht richtig beurteilen können?

Vorab, das Wundermittel gegen Neurodermitis gibt es im Moment nicht und Regiverderm ist es auch nicht. Soweit wir wissen haben sich die Konten aller Kritiker auch nicht durch Pharmageld aufgefüllt oder erholt.

Und die ARD? Hat die den tiefen Schlaf der Gerechten geschlafen? Headline verheißt Gutes, wird schon alles gut sein: Heilung unerwünscht. Wie die Pharmaindustrie die Einführung eines Medikamentes verhindert, um eigene Produkte zu schützen.
 
Pharmaschelte, das passt immer.

Fassen wir zusammen, was wir bisher wissen, gehört und gesehen haben:

Los gings eigentlich schon mit der Vorankündigung an alle relevanten Selbsthilfeorgansiationen, die für chronisch Hautkranke da sind. Das ist schon ein Novum und macht stutzig. PR im Vorfeld?

Eigentlich ist es nicht üblich, dass Selbsthilfeorganisationen schon VOR einer Sendung - zudem auch noch von einer  PR-Agentur - deswegen angemailt werden. Wie heißt es so schön auf der Homepage der Agentur:
„Durch professionelle PR schaffen wir für Ihr Produkt einen Mehrwert, der mit konventioneller Werbung allein nicht zu erreichen ist.
Unsere Kunden sind erfolgreich in der Gesundheitsbranche, der pharmazeutischen Industrie und im Tourismus tätig.
Traditionelle Werbung ist problembehaftet. Einerseits mangelt es ihr an Glaubwürdigkeit, andererseits ist es schwierig, eine große Zielgruppe kosteneffizient zu erreichen. Deshalb ist gute Öffentlichkeitsarbeit nötig, um diese Schwachstellen auszugleichen und die Werbewirkung Ihrer Firma zu verbessern.“

Sofort nach dieser Sendung wurden alle Multiplikatoren von Anfragen überhäuft.
Alle hatten noch nie etwas von dieser Therapiemöglichkeit/ bzw. der Creme Regividerm gehört.

Und es fallen dem kritischen Zuschauer sofort Ungereimtheiten in dieser ARD-Sendung auf:

Angeblich fürchten die Pharma-Riesen um den Absatz ihrer eigenen, teuren, aufwendig getesteten und entweder weniger wirksamen oder nebenwirkungsreichen Substanzen, wenn ein billigeres Produkt auf den Markt kommt. Aber wer das Patent kauft  und auf den Markt bringt, der bestimmt doch auch den Preis!

Zitat Auszug aus :  http://gesundheit.blogger.de/stories/1511299/

Auch der investigative Journalist Markus Grill, http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Grill über den Verdacht ein Pharmalobbyist  zu sein erhaben, zeigt sich zweit Tage später in der Sendung „Hart aber Fair“ überaus skeptisch.
Er weist auf einen weiteren fundamentalen Denkfehler in der Geschichte  Story hin: Der Preis der Zutaten bestimmt in diesem Markt bekanntermaßen nicht den Preis des Medikaments. Ganz im Gegenteil könnte ein Pharmaunternehmen, das die Patentrechte besitzt, nahezu jeden beliebigen Preis für die Salbe verlangen, wenn sie denn nur besser wirken würde als Vergleichspräparate (wofür es in den beiden vorliegenden Studien keinerlei Anhaltspunkte gibt). Eine zentrale Säule der Verschwörungstheorie von Klaus Martens ist es ja, dass der "günstige" Preis der Salbe quasi vom Erfinder oder durch den geringen Preis der Zutaten vorgegeben sei, und dadurch im Falle einer Vermarktung der Salbe durch Big Pharma der bisherige große Reibach mit teuren (und schlechten) Präparaten ein Ende gehabt hätte.

Wenn Regividerm tatsächlich so gut wirkt, wie eine Kortison-Creme und sogar den Calcineurininhibitoren Protopic® und Elidel® Konkurrenz machen könnte, aber keine Nebenwirkungen hat, warum sollte es gerade dann von den als  geldgeil angeprangerten  Pharmaunternehmen unbedingt BILLIGER auf den Markt gebracht werden? oder in der Schublade verschwinden?.

Welcher konkrete Beweis wird denn im Film genannt für das angebliche 10  Zehn- Millionenangebot von der Beiersdorf AG ohne Garantie das Mittel zu produzieren ? 
Einzig : „ NACH AUSSAGE VON HERRN KLINGELHÖLLER“ 
Und die Tatsache, DASS SICH BEI BEIERSDORF NIEMAND AN TELEFONATE VON VOR 15 JAHREN ERINNERT !
Das wird aber so geschickt formuliert, dass der Betrachter es im ersten Augenblick erstmal verinnerlicht.

Unglaubwürdig ist  es auch, dass man ernsthafte Vertragsanbahnungen dieser Größenordnung ohne persönlichen Kontakt und ohne Schriftverkehr abhandelt.

Es ist für Laien natürlich nicht leicht auseinander zu halten, wenn da im Film fachterminologisch feststehende Begriffe mit klar umrissener Bedeutung  „umgangssprachlich“ beliebig austauschbar mal so oder mal so in der Argumentation präsentiert werden.
Wer erkennt denn schon auf Anhieb die feinen Unterschiede in der fachlichen  Bedeutung zwischen Heilmittel, Medikament, Arzeneimittel, Medizinprodukt, Kosmetikum, Therapeutikum
Apothekenpflicht, Creme, Salbe, Heilen, Lindern, Arzneimittelzulassung , Zertifizierung oder Registrierung als Medizinprodukt, geprüftes Therapeutikum?
So wie im Film immer wieder klinische Tests bzw. medizinische Studien angeführt werden, welche die neue Creme hervorragend bestanden habe, drängt es sich dem oberflächlichen Betrachter ja auf, dass bereits alles anhand von qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Studien belegt sei.

Auch hier wird geschickt mit der Verwirrung über den Begriff „medizinische Studien“ gespielt. Auch hier gibt es unterschiedliche Arten mit mehr oder weniger Aussagekraft und ebenso viele Qualitätsbedeutungen: Randomisiert, verblindet, nicht verblindet evidenzbasiert und und und ...

Da hören wir im Film einen Professor nonchalant erklären, dass er keine Doppelblindstudie durchführen konnte, weil die fragliche Creme ROSA sei, die Creme für die Blindstudie aber nicht.
Als ob an solch simplen Überlegungen "wissenschaftliche" Studien scheitern.

Siehe zu der Aussagekraft der im Film so eindringlich und glaubhaft zitierten „wissenschaftlichen Studien“ folgende Links :

http://www.principien.de/2009/10/21/die-supersalbe-regividerm/


http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/10/regividerm-die-studien-zur-wirksamkeit.php

Wir halten fest: Irgendwo am Rande wird gesagt, alle notwendigen klinischen Tests für eine Zertifizierung als Medizinprodukt, (Klasse IIa )  wurden hervorragend bestanden. Da glaubt man doch, na gut, alles sei klar...
Auszug aus der  HOMEPAGE : http://www.regividerm.de/de/aktuelles/fragen_antworten.html

Ist Regividerm® Salbe ein geprüftes Therapeutikum?   (Anm d. DNB:  Warum nicht die Frage: Ist es ein geprüftes Medikament ? Als solches wurde es im Film angepriesen!)
Ja, Regividerm® Salbe ist ein geprüftes Therapeutikum, das auf Grund seines Wirkmechanismus als Medizinprodukt der Klasse II a in der EU und der Schweiz registriert ist.
Wurden mit Regividerm® Salbe klinische Studien durchgeführt und beweisen diese Studien die Wirksamkeit von Regividerm® Salbe?
Ja, Regividerm® Salbe wurde wie jedes Therapeutikum in klinischen Studien der verschiedenen Phasen geprüft.
(Anm d. DNB: In Studien, die der Phase als Medizinprodukt der Klasse IIa entsprechen ) In vergleichenden Studien gegen die Salbengrundlage (Placebo) oder ein zugelassenes Referenzpräparat wurde die Wirksamkeit von Regividerm® Salbe nachgewiesen.


Im Film wird jedoch nicht herausgearbeitet, dass die erforderlichen klinischen Tests für ein Medizinprodukt der Klasse II nur minimal und mit denen für ein Arzneimittel nicht zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu einem Arzneimittel braucht ein Medizinprodukt keinen Wirksamkeitsnachweis. Eine Zertifizierung oder Registrierung sagt nichts über den Nutzen aus, während eine Zulassung als Arzneimittel einen Hinweis auf den Nutzen gibt". Regividerm wurde demnach nicht zugelassen, sondern lediglich für Deutschland und die Schweiz registriert.
Ein Medizinprodukt der Klasse II ist auch nicht für den längeren Gebrauch bestimmt.  (Medizinprodukt, Klasse IIa = mäßiger Invasivitätsgrad, kurzzeitige Anwendung am Körper). Ähnliche Einstufungen haben auch Gehhilfen und Präservative. Über die wirkliche Aussagekraft der angeführten Studien hat die Fachwelt inzwischen genügend Stellungnahmen abgegeben. (s.o)


Gleich beim ersten Ansehen fand das hautsache-Team es ganz besonders "merkwürdig" , wie tendenziös in diesem Beitrag über die Medikamente mit den Wirkstoffen Pimecrolimus und Tacrolimus berichtet wurde.
Wenn in einem angeblich aktuellen, dokumentarischen Beitrag eine fünf Jahre alte Disskussion um den Black-Box- Warnhinweis bei  den beiden Medikamenten mit den o.g. Wirkstoffen die sich schon längst erledigt hat, so reisserisch wieder „neu“ aufgewärmt wird, ist die Absicht klar:
Das  ist keine  nur etwas übertriebene journalistische Stimmungsmache, da steckt eine ganz gezielte  Manipulationsabsicht dahinter: Hier werden massiv die Ängste vor Nebenwirkungen geschürt, die JEDER Betroffene hat.

Hier ist der Link zum Film : http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3161202

Da kann man es noch einmal in aller Ruhe nachverfolgen.
Auch bei YouTube :
http://www.youtube.com/results?search_query=heilung%20unerwünscht
(Suchbegriff: Heilung unerwünscht)

Dem aufmerksamen Betrachter wird in dem „Interview“ mit Prof. Zuberbier der plötzliche Schnitt auffallen. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass das gar kein wirkliches Live-Interview ist. Vielmehr spricht der Kommentator im Film einen Text, zu dem dann die Antworten vom Professor passend hinein geschnitten worden sind. Das fällt schon auf, bei der doch sehr unterschwelligen Frage nach dem Novartis-Vertreter, aber auch beim Warnhinweis.

Siehe in Teil 3 von 5 unter http://www.youtube.com/results?search_query=heilung%20unerwünscht

Kaum sagt der Professor etwas über den Warnhinweis und erwähnt das Horror-Wort „Hautkrebs“, wird mitten im Satz nach Amerika geblendet. : Schnitt, Pause, wirken lassen... Text: Ein großer Markt, auch für Elidel..., dann exakt diese genauen Worte "Aber immer mehr Ärzte meiden die Anwendung von Elidel. Das Mediakment habe nicht nur in Einzelfällen- so sagen sie - Krebs hervorgerufen. Hautkrebs".

Wo ist diese Behauptung „juristisch“ nachweisbar?: Immer mehr ungenannte Ärzte würden das Medikament meiden (das müsste sich eigentlich mit rückgängigen Verkaufszahlen von Elidel belegen lassen) weil sie (die ungenannten) sagen, - NICHT DER KOMMENTATOR ODER DER AUTOR sagt es, sondern die ungenannten Ärzte (Das könnte sonst juristisch ja auch böse ausgehen !) , sagen dass Elidel nicht nur in Einzelfällen Krebs – Das wird zur Verstärkung dann auch gleich zweimal erwähnt -Hautkrebs- erzeugt habe..
An welchen Erkenntnissen, Studien oder Beweisen das festzumachen ist, wird natürlich nicht erwähnt.

Statt dessen  berichtet man eindringlich über den Beipackzettel und über die Lichtempfindlichkeit, so dass sich beim Betrachter die Meinung verfestigen muss: Die Medikamente Elidel® und Protopic®  verursachen beim Menschen nachgewiesenermaßen ein überaus stark erhöhtes  Hautkrebsrisiko.

Dabei hatte gerade der Deutsche Neurodermitis Bund e.V. sich schon 2005 sehr detailliert mit dem Krebsrisiko- Warnhinweis beschäftigt. Nachzulesen: http://www.neurodermitis-bund.de/im_fokus.php

Dem Präsidenten der europäischen Fachgesellschaft für Dermatologie (European Academy of Dermatology and Venerology, (EADV) Prof. Dr. med. Dr. phil. Joahnnes Ring - weltweit anerkannter Fachmann -  sowie dem damaligen  Präsidenten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) Prof. Dr. med. H. Gollnick und dem damaligen Generalsekretär und heutigen DDG-Präsident Prof. Dr. med. T. Luger kann man nun wirklich nicht unterstellen, dass sie alle von Novartis gekauft worden sind.

Der Wirkstoff in Elidel® und Protopic® ist so neu ja nun auch nicht. Er wird seit ca. 20 Jahren in der Transplantationsmedizin eingesetzt. Neu war hier die äusserliche Anwendung auf der Haut, speziell im Gesicht und die Zulassung für Kinder.
Weltweit wurden inzwischen Millionen Patienten mit Elidel® und Protopic® behandelt, ohne dass es bisher zu einer Krebsepedemie kam.

Wir hatten beim Ansehen des Films den Eindruck, dass diese weitere, relativierende Aussage von Professor Zuberbier hier mitten im Satz unterbrochen und abgeschnitten und somit bewusst entstellt wurde.

Natürlich haben auch diese Medikamente ihre Schwachstellen und Nebenwirkungen. Gerade wenn die Haut offen und angegriffen ist sollte man sie nicht verwenden sondern gleich vor Beginn eines Schubes.

Dagegen soll  Regividerm , - ein als Medizinprodukt der Klasse IIa registriertes Therapeutikum - nun ohne Nebenwirkungen genau so gut oder besser wirken, wie weltweit getestete, kontrollierte und zugelassene Medikamente?

Wir sind grundsätzlich skeptisch, wenn ähnliche Geschichten auftauchen. Zu oft hat sich das in der Vergangengenheit als bloßer, gut gemachter Werbegag herausgestellt, der nur falsche Hoffnung verbreitete, aber den meisten Patienten außer großen Geldausgaben nichts gebracht hat.

Siehe zum Beispiel auch http://www.neurodermitis-bund.de/aktionen.php#Kratzhand-Jauch

(Die Optomed Klinik ist im November 2008 in Insolvenz gegangen... )

Siehe dazu auch
http://www.psoriasis-netz.net/forum/archive/index.php/t-227601.html

Dass Regividerm ebenfalls zu Lichtempfindlichkeit führen kann, erfährt man erst weitab an anderer Stelle: 

Quelle http://esowatch.com/index.php?title=Regividerm

Auf der Webseite des Herstellers sind mögliche Nebenwirkungen von Regividerm aufgelistet. Dort ist zu lesen: "[...] können auch unter der Behandlung mit Regividerm® Salbe sporadisch Hautreizungen (Rötungen, Juckreiz) auftreten. [...] Bei Fortbestehen der Hautreizungen wird eine Unterbrechung der Behandlung empfohlen, weil in seltenen Fällen eine Allergie auf den wirksamen Bestandteil (Vitamin B12) oder einen anderen Inhaltsstoff von Regividerm® Salbe (z.B. Avocadoöl) vorliegen kann."
Der Beipackzettel weist zudem auf eine "Vermeidung von Sonnenbestrahlung" hin, da B12 UV-empfindlich ist: "Bitte ergreifen Sie geeignete Sonnenschutzmaßnahmen. Halten Sie sich möglichst nur kurz in der Sonne auf, benutzen Sie Sonnenschutzprodukte und bedecken Sie die Haut mit entsprechender Kleidung."

Hinweise auf Nebenwirkungen zeigen sich in der erwähnten Studie zur Behandlung atopischer Dermatitis im British Journal of Dermatology aus dem Jahr 2004. Die Gesamtzahl der Probanden war 49. In der Arbeit ist zu lesen: Altogether 33 cutaneous adverse events were recorded, and none of these was serious (Table 3). [...] With the exception of one cutaneous adverse event (weeping, itching, limited neck mobility following application of the placebo cream, moderate severity), all were of mild severity. In two cases a possible and in four cases a probable relationship with the trial medication was assumed for the skin irritations occurred only on the body side treated with vitamin B12 cream (burning in two patients, itching in two patients, redness in one and hyperthermia and formication in one patient). All adverse events were reversible within several days. No acneiform eruptions were reported..

Demnach brachen drei Patienten die Behandlung wegen Verschlechterung der Symptomatik und zwei wegen der Nebenwirkungen die experimentelle Behandlung ab. Zitat zu withdrawals Noncompliance 3. Deterioration of disease 3. Adverse events 2, one patient experienced burning, itching and swelling one patient experienced redness and swelling (gekürzt)


Quelle http://www.psoriasis-netz.de/themen/produkte-aktuell/regividerm.html

Ich habe mir die Zusammensetzung (Patentschrift) angeschaut. Hauptbestandteil ist Dexpanthenol (7 %, welches der Wirkstoff z.B. der Salbe Bepanthen ist. Dexpanthenol hat juckreizmindernde, entzündungshemmende und wundheilende Eigenschaften. Daher ist ein positiver Effekt zu erwarten. Die Wirkung von Regividerm wird aber dem Vitamin B12 zugeschrieben. Dieses ist chemisch ein Porphyrin. Von denen ist bekannt, dass sie bei Licht und Sauerstoff extrem schädlich sind, Zelltod (Phototoxizität) verursachen, und sogar zu Krebs führen können. Bitte, bitte Hände weg von Vitamin B12 in Hautcremes, und schon gar keine gleichzeitigen Sonnenbäder oder UV Bestrahlungen.


Quelle: http://gesundheit.blogger.de/stories/1511299/

Chemiker und Wissenschaftsblogger Lars Fischer hält den beschriebenen Mechanismus für plausibel. Ich würde lieber erst einmal abwarten, bevor ich die Salbe nach der ARD-Rezeptur anrühren lasse und einem Kind auf die Haut schmiere. Die Redaktion des „arznei-telegramms“ habe ich um eine Einschätzung gebeten.

Post vom arznei-telegramm zu der Hypothese, dass Regividerm aufgrund der photochemischen Eigenschaften von Vitamin B12 krebserregend sein könnte (vgl. Update 45 u. 46):
Eine interessante Hypothese, die Denkanstöße liefert - quasi eine Art Umkehr der Hypothese zum beanspruchten Wirkmechanismus - der im Übrigen nach unserer Einschätzung möglicherweise nicht mit dem Status als Medizinprodukt zu vereinbaren ist. Die angebliche Unbedenklichkeit beziehungsweise Nebenwirkungsfreiheit der überwiegend als harmlos erachteten vitaminisierten Fettcreme wird ohnehin bereits durch die erwähnte Veröffentlichung von STÜCKER, M. et al. aus dem British Journal of Dermatology 2004; 150: 977-83 widerlegt mit erfassten unerwünschten Wirkungen wie Brennen, Juckreiz, Rötungen, Kribbelgefühl und Überwärmung. Solche Nebenwirkungen sind auffällig, können jedoch nicht als klinischer Beleg der Schädigungshypothese mit potenzieller Kanzerogenität gewertet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang BECKER-BRÜSER (Arzt und Apotheker)
Redaktion arznei-telegramm

27.10.09
Quelle http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,657645,00.html

Eine neue Creme gegen Neurodermitis und Schuppenflechte sollte schon im November über die Apothekentische gehen. Doch jetzt will die zuständige Behörde möglicherweise erneut prüfen, ob die Salbe nicht doch ein Arzneimittel ist. Dann stünde ein langes Zulassungsverfahren an.

Düsseldorf - Die umstrittene Salbe gegen die Hautkrankheit Neurodermitis wird kurz vor ihrer geplanten Markteinführung möglicherweise erneut überprüft. Eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf sagte am Dienstag, es werde untersucht, ob es sich bei dem Produkt Regividerm tatsächlich um ein Medizinprodukt und nicht doch um ein Arzneimittel handele. Dann würden für dessen Zulassung neue, hohe Hürden bestehen.

Zusammenfassungen und Nachweise zum Thema „Schleichwerbung für eine Hautcreme“:

Die Macher vom Psoriasis-Netz. eröffneten in ihrem Forum einen Beitrag 

Regividerm - ein Krimi um eine Creme?

http://www.psoriasis-netz.de/themen/produkte-aktuell/regividerm.html

Vor allem hier http://esowatch.com/index.php?title=Regividerm findet man eine detaillierte, gut recherchierte und quellenverlinkte Zusammenfassung zu diesem Thema. Besonders gibt es hier auch noch detaillierte Hintergrund- Infos die ständig aktualisiert werden!


Eine der ersten, sehr ausführlich verlinkte und vor allem chronologische Zusammenfassung um die Markteinführung von Regividerm  findet man hier:
http://gesundheit.blogger.de/stories/1511299/

Zwar als Erster, aber nicht als Einziger hat der Deutsche Neurodermitis Bund e.V. eine Pressemitteilung herausgegeben:
http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=387661&aktion=jour_pm&quelle=1&utm_source=eurasier1

Es folgten der Deutsche Psoriasis Bund e.V.:
http://www.psoriasis-bund.de/ARD-Beitrag___Heilung_une.827.0.html

und der Bund Neurodermitiskranker in Boppard e.V.
http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Aus-aller-Welt/Artikel,-Neurodermitis-Regividerm-Streit-_arid,1948099_regid,2_puid,2_pageid,4293.html


Bei „Hart aber Fair“ kam es am 21.10.09 zu einem ersten Eklat mit massiver Kritik an die ARD wegen der ungeprüften „Schleichwerbung“

http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=241
http://www.youtube.com/watch?v=0unqXF41esU   Teil 1
http://www.youtube.com/watch?v=j0Shv8WfUj0    Teil 2

Inzwischen reagiert nun auch die Presse , hier eine Übersicht.:

http://news.google.de/news/story?um=1&cf=all&ned=de&cf=all&ncl=dDwJr1Ml9KYmEoMu_CTCtpSrNFe-M

Auch der Kommentar von Stefan Niggemeier, Medienjournalist ist sehr aufschlussreich und lesenswert:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/das-wundersalbenmassaker/#comment-113448

Die unglaubliche Geschichte der Wundersalbe - ZAPP Medienmagazin - NDR.
http://www.youtube.com/watch?v=Mp3D9oqXV-A

Fazit des Ganzen:
Ein unglaublich geschickt gemachter Marketing-Feldzug, der aber auch wirklich gar kein Klischee auslässt, und zur besten Sendezeit im öffentlich rechtlichen Fernsehen läuft.
Das Buch des Autors ist mit einem Schlag an der Spitze der amazon-Bestsellerliste, noch vor der neuen deutschen Nobelpreisträgerin für Literatur. Aber noch keiner hat das bisher überhaupt gelesen!

Die Apotheken können sich vor Bestellungen der Wundercreme kaum retten, die  nun , -just in time- in wenigen Tagen plötzlich DOCH im Handel erhältlich sein wird.

Wer aber weiß, wieviel Vorlaufzeit es braucht, bis die notwendige  Zertifizierung und die für den Apothekenhandel notwendige PZN Nummer erteilt werden kann, und wer die Aussagekraft der bisher vorgelegten wissenschaftlichen Studien beurteilen kann, dem muss zwangsläufig die Hutschnur platzen, angesichts der Aussagen in dieser Werbekampagne.

Ohne ein Urteil über die Wirksamkeit von Regividerm  abgeben zu wollen – das müsste in seriösen  Studien belegt werden -  müssen wir aber dringend vor einer derartigen Marketingstrategie warnen. Die Betroffenen sind ohnehin schon durch ihre chronische Erkrankung im hohen Maße wirtschaftlichen Nachteilen ausgesetzt. Nun auch noch für Regividerm Geld ausgeben?
Mit Sicherheit kommt hier keine Wundersalbe auf den Markt! Sie ist , als Medizinprodukt der Klasse II
mit mäßigem Invasivitätsgrad, für die kurzzeitige Anwendung am Körper (ca. 30 Tage) eingestuft und
hat allenfalls eine hautpflegerische Wirkung, wie es unzählige andere Salben und Cremes auch haben.

Wenn sie viel mehr kann, dann hätte  sie die Zulassungsbedingungen für ein Medikament, mit den dazu nötigen verschärften Studien durchlaufen müssen.
Aufgrund der Berichterstattung will nun auch die Zulassungsbehörde das aktuell ja noch einmal überprüften.

Erreicht hat der Bericht, dass die Betroffenen wieder einmal die Dummen sind und eine
weitere Hoffnung aufHeilung zügig begraben müssen.


Wie ist Ihre Erfahrung mit Regividerm?

Schreiben Sie uns eine E-Mail an info@hautsache.de

Wir bleiben selbstverständlich an dem Thema dran.



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