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Selektive Immunadsorption

01.10.2013Bei der selektiven Immunadsorption geht es um eine langfristige Kontrolle der Erkrankung. Diese Therapie kommt nur für erwachsene Patienten in Betracht, die unter schwerer chronischer Neurodermitis leiden, also schon eine „Neurodermitis-Karriere“ durchlaufen mussten und alle Therapieansätze ausgereizt haben.

Bei Neurodermitis spielen viele unterschiedliche Faktoren z. B. aus der Genetik und Umwelt eine Rolle. Ein möglicher Auslöser für Ekzembildungen und eine Hautverschlechterung ist eine allergische Reaktion durch IgE-Antikörper. Immunglobuline E sind Eiweiße, die körperfremde Stoffe abwehren, z. B. Parasiten. Bei Atopikern, die ein überaktives Immunsystem haben, können IgE-Antikörper nicht nur Heuschnupfen oder Asthma auslösen, sondern auch die Krankheitssymptome der Neurodermitis unterhalten und verschlechtern. Die IgE-Werte von erwachsenen Patienten mit chronischer Neurodermitis sind häufig sehr hoch. Ziel der selektiven Immunadsorption ist es, die IgE-Antikörper durch eine gezielte Blutwäsche zu entfernen. Dafür wurde eine Säule mit einer speziellen Beschichtung entwickelt, die diesen - und nur diesen - Antikörper binden kann.
Über eine Armvene wird dem Patienten während der Behandlung kontinuierlich Blut abgenommen, das dann über die Säule läuft, dort werden die IgE-Antikörper gebunden und aufgefangen. Das Blut wird nach dieser Reinigung über eine Vene in der anderen Armbeuge in den Körper zurück geleitet.

Wie gestaltet sich der Ablauf?
Wie hoch ist der Aufwand?


Ein Behandlungszyklus findet über einen Zeitraum von ca. zwei Monaten statt. Während eines Zyklus‘ werden drei Therapiesitzungen mit folgender Zeitaufteilung durchgeführt: 1. Sitzung über vier Tage,  2. und 3. Sitzung jeweils über drei Tage. Zwischen den einzelnen Sitzungen wird immer 3-4 Wochen pausiert. Die Sitzungen erfolgen stationär und dauern zwei bis sechs Stunden, während denen der Patient im Sessel liegend lesen oder am Laptop, iPad etc. arbeiten kann.

Wo findet die Therapie statt?

Das Dermatologikum Hamburg  führt dieses neue Therapieverfahren zusammen mit dem Nephrologischen Zentrum Reinbek und dem Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift durch. Interessierte können sich an das Sekretariat von Prof. Reich, Leiter des Dermatologikum Hamburg, wenden. Tel.: 040-35 10 75 79.
Eine Kooperation von Dermatologen, Nephrologen mit einem spezialisierten Team von Krankenschwestern sowie eine gute stationäre Betreuung hat sich als optimale Vorgehensweise für die selektive Immunadsorption herausgestellt. Bisher gibt es in Deutschland nur wenige Zentren, die diese Voraussetzungen erfüllen können. Viele Patienten nehmen deshalb derzeit längere Anfahrtswege in Kauf.

Therapieergebnisse

Durch die selektive Blutwäsche lässt sich das IgE aus der Haut entfernen oder zumindest deutlich reduzieren. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass es zwar nicht zu einer raschen Verbesserung der Neurodermitis kommt, aber bei etwa 2/3 der Patienten stabilisiert sich die Erkrankung langfristig. Die Krankheitsaktivität verringert sich nach der Therapie deutlich. Zuerst verschwindet meist der Juckreiz und auch die Ekzeme gehen zurück. Medikamentöse Therapien konnten bei einigen Patienten während der Behandlung runtergesetzt werden. Ob die Behandlung zur Aufrechterhaltung des Therapieerfolges eventuell alle acht Wochen wiederholt werden muss, kann jetzt noch nicht eingeschätzt werden. Dafür müssen noch mehr relevante Daten vorliegen.

Kosten

Da es sich bei der selektiven Immunadsorption um ein zugelassenes Therapieverfahren handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Quelle: Info von Dermatologikum Hamburg www.dermatologikum.de




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