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Vorsicht: Kuscheltier-Mykosen

27.07.2020

istock s:FamVeldWenn Kita, Schule und Spielplätze geschlossen sind, wird für Kinder der Familienhund, die Katze oder das Meerschweinchen als Spielkamerad und bester Freund umso wichtiger. Zum Glück sind Haustiere keine Überträger des Coronavirus. Doch Hygiene ist im Umgang mit dem Vierbeiner dennoch unerlässlich. Gerade Meerschweinchen können beispielsweise Hautpilze übertragen.

Schuppende, kreisförmige Flecken an der Haut, die vor allem am Rand stark entzündlich gerötet sind, jucken und manchmal mit Pusteln einhergehen: das können Anzeichen eines Befalls der Haut mit Fadenpilzen sein. „Die ekzemartigen Dermatosen werden oft nicht als Pilzinfektionen erkannt", berichtet Prof. Dr. Martin Schaller, Dermatologe an der Universitätshautklinik Tübingen. Vor allem wenn Tiere mit im Haushalt leben, sollte an eine Infektion mit Fadenpilzen gedacht werden. Insbesondere Kinder fangen sich diese sogenannten Dermatophyten bei Haustieren ein.

Bis vor wenigen Jahren war Microsporum canis der häufigste zoophile, das heißt durch Tiere übertragene, Fadenpilz. Dieser wird vor allem – auch wenn die Bezeichnung anderes vermuten lässt – durch Katzen und nur selten durch Hunde übertragen. „Heute nimmt ein Dermatophyt namens Trichophyton benhamiae den Spitzenplatz ein", so Professor Schaller. Die Übertragung erfolgt meist durch Meerschweinchen, seltener durch Katzen und noch seltener durch Hamster. Der Fadenpilz T. benhamiae ist bei Meerschweinchen weit verbreitet. „In Untersuchungen in Berliner Zoohandlungen konnte der Erreger bei 93 Prozent der Meerschweinchen nachgewiesen werden", berichtet Professor Schaller. Die meisten der befallenen Tiere wiesen jedoch selbst keine Krankheitszeichen auf. „Eine Übertragung erfolgt daher häufig unbemerkt", warnt der Hautarzt. Kinder, die mit ihrem Meerschweinchen kuscheln und schmusen, entwickeln Krankheitszeichen an den Kontaktstellen vor allem an Gesicht und Hals.

Ebenso ist eine Übertragung zoophiler Fadenpilze von Mensch zu Mensch zwar grundsätzlich möglich. Aber meist haben sich erkrankte Geschwister auch beim Haustier angesteckt, so Professor Schaller.
Mensch und Tier behandeln

Bei wenigen Herden kann eine äußerliche Behandlung mit Antipilzmitteln erwogen werden. Bei ausgedehnterem Befund wird jedoch eine Bekämpfung der Pilzinfektion mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zum Einnehmen erforderlich.

Manchmal breitet sich die Infektion auch an der Kopfhaut aus. Eine solche Tinea capitis wird meist durch Haarverlust auffällig, zudem juckt und schuppt die Kopfhaut. Behandelt wird die Tinea capitis durch Medikamente zum Einnehmen, unterstützt durch eine äußerliche Therapie mit Shampoos, die Antipilzmittel enthalten. Haarkämme und Bürsten sollten desinfiziert oder entsorgt werden.

Wichtig: „Auch das Meerschweinchen muss beim Tierarzt auf eine Pilzerkrankung untersucht und behandelt werden", betont Professor Schaller.

Quelle
Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V.
Newsletter Ausgabe 01/2020 • Pilzinfektionen der Haut, 05.05.2020





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